Geschrieben von Kay Molkenthin am 14.12.2019
Kennen Sie das auch? Wenn Sie abseits einer privaten Homepage einen Internetauftritt für ein Unternehmen aufbauen, haben Sie sich über die Jahre einen bunten Fundus an Systemen angeschafft oder aufgebaut, um Ihre Geschäftsprozesse bestmöglich zu unterstützen.
Eine Homepage, ein Shopsystem, die Warenwirtschaft, Email- und Newslettersystem, vielleicht ein Supportsystem für Ihre Kunden und vieles mehr. Und irgendwann - nach diversen, mehr oder minder kostenintensiven Anpassungen - verfügen Sie über eine Systemlandschaft, mit der Sie endlich und vollumfänglich arbeitsfähig sind.
Aber Zeiten ändern sich und damit ändern sich auch die Anforderungen an diese Systeme.
Das gilt auch für uns, weshalb wir an dieser Stelle eine Reihe mit Erfahrungsberichten starten möchten, wie wir damit umgegangen sind.
Technik ändert sich rasend schnell und wenn Sie die letzten 5-10 Jahre betrachten, wahrscheinlich so schnell wie nie zuvor. Hinzu kommen immer mehr rechtliche und regularische Anforderungen an Webseitenbetreiber, aktuell siehe die DSGVO, Cookie-Richtlinie, etc.
Wenn Sie Drittsoftware einsetzen, sind Sie in der Regel abhängig davon, dass der Hersteller dieser Drittsoftware (oder die Community bei zum Beispiel Open Source Software) die notwendigen Anpassungen zeitnah und korrekt umsetzt, damit Sie diese auch nutzen können.
Wenn notwendige Anpassungen bereitgestellt werden, super! Aber dann müssen Sie diese noch in Ihre produktiven Systeme übernehmen. Aber halt, da haben Sie ja schon Ihre individuellen Anpassungen und Konfigurationen durchgeführt, damit das System überhaupt Ihren Erfordernissen entspricht. Und dann geht das Update-Vergnügen erst richtig los.
Aufgrund Ihrer eigenen Anpassungen haben Sie die Updates x und y bisher ausgelassen, die aber zwingend notwendig für das Update z sind. Sie ziehen Update um Update nach, die Komponente 4711 läuft dann aber nicht mehr, auch hier sind dann wieder Anpassungen notwendig und so weiter. Die Datenstrukturen haben sich geändert, Ihrer Schnittstelle fehlt ein Feld oder ein Feld wurde umbenannt, etc. Letztlich sind Sie nur noch am Flicken von Inkompatibilitäten, damit Ihre Systeme wieder lauffähig sind - aber seien Sie gewiss, das nächste Update kommt ganz sicher!
Aus diesen Gründen haben wir uns Mitte des Jahres entschieden, alle unsere Systeme zu konsolideren, zu standardisieren und uns damit unabhängig von Software Dritter zu machen.
Bevor die Renovierung einer Systemlandschaft sinnvoll angegangen werden kann, müssen folgende Fragen beantwortet werden:
Diese Überlegungen haben uns einige Zeit gekostet...
Das Ergebnis dieser Bestandsaufnahme ist in der folgenden Abbildung schematisch dargestellt:
Aus aktueller, technischer Sicht - und aus den Erfahrungen aus der Praxis - ist dieses Konzept nicht mehr zeitgemäß. Funktioniert zwar, aber schön ist anders.
Für das neue technische Design (Zieldesign) wurden folgende Anforderungen definiert:
Das aus diesen Überlegungen resultierende Ziel-Szenario ist in der folgenden Abbildung dargestellt:
In der Abbildung ist die Trennung von Layout und Funktionalität sehr gut sichtbar. Der Anwender besucht die komBAS-Webseite in seinem Browser, woraufhin der Web-Client heruntergeladen wird. Für den Anwender existiert in diesem Moment kein Unterschied zu einer klassischen Webseite. Dieser Unterschied verbirgt sich auf technischer Ebene.
Mit dem Aufruf einer Url befindet sich die gesamte Oberflächenfunktionalität im Speicher des Webbrowsers. Jeder Klick auf eine Url innerhalb der komBAS-Webseite führt nicht zu einem erneuten Aufruf eines Webservers. Es werden bei Bedarf nur Daten aus den entsprechenden APIs nachgeladen und dann innerhalb der Webanwendung angezeigt.
Dieser Ansatz bietet neben den o. g. Anforderungen vor allem in den Bereichen Wartbarkeit und Erweiterungsfähigkeit enorme Vorteile:
Ein weiterer, positiver Aspekt einer Webseiten-Renovierung ist, dass man sich von inzwischen überflüssigen oder nicht mehr genutzen Funktionen trennen kann. Lohnt sich zum Beispiel eine Social-Sharing-Funktion heute noch in Zeiten der DSGVO, braucht man tatsächlich noch einen Facebook-Login, wenn die Zielgruppe gar nicht mehr dort aktiv ist?
Wenn Sie diesen Text lesen können bedeutet das, dass der erste Schritt der komBAS-Webseitenumstellung vollzogen wurde und Sie sehen das komBAS Portal. Das Portal ist der zentrale Einstiegspunkt für alle künftigen Inhalte und Angebote von komBAS.
Aber wie das so ist im Leben, damit ist erst der erste Schritt getan...
Sie erinnern sich vielleicht noch an das Ziel der Konsolidierung. Dazu gehören nicht nur die Funktionen der ehemals separaten Webanwendungen, dazu gehören insbesondere die jeweiligen Daten, die auch zusammengeführt werden müssen.
Mit dem Ansatz des zentralen Identity-Managements müssen alle benutzerspezifischen Daten aus allen System zusammengeführt und unter einem einzigen Nutzer (Identität) konsolidiert werden. Im System A hat der Nutzer die ID "4711", im System B die ID "37" und im System C die ID "123456". Daran hängen jeweils wieder weitere Daten innerhalb der Systeme. Der neue zentrale Nutzer erhält jetzt die ID "005970a2-131e-40a3-a6d0-22c54fb1dd8a" und alle bisherigen Datenverknüpfungen müssen erhalten bleiben bzw. wiederhergestellt (mit neuen IDs) werden.
Das Thema heißt also "Datenmigration".
Diese muss ebenfalls gut geplant werden und kann daher nur Schritt für Schritt erfolgen. Das ist auch ein Grund dafür, dass bestimmte Funktionen im Portal erst Schritt für Schritt scharfgeschaltet werden und zwischenzeitlich noch auf die alten Websysteme umgeleitet wird.
Es handelt sich bei der Renovierung eines Internetauftritts insgesamt um eine sehr interessante aber auch sehr herausfordernde Aufgabe. Um unsere Erfahrungen dabei zu teilen, werden wir das Vorhaben mit weiteren Artikeln dokumentieren.